Papst in spe kratzt in Hehlrath die Kurve

Gesellschaft

(Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 30.01.2019 von Rudolf Müller)

Hehlrath freut sich auf seine 800-Jahr-Feier. Buch arbeitet Dorfgeschichte auf. Kardinal: Klitschnass in Herlroti.

Anno 828 war es, dass Einhard, der fränkische Gelehrte, Kunstsachverständige und Biograf Karls des Großen das karolingische Königsgut Ascvilare erstmals erwähnte. Damit trat Eschweiler in die Geschichte ein. 391 Jahre später, anno 1219, folgte ein kleiner Weiler im Norden Ascvilares, 800 Jahre ist das nun her. Den Weiler, obschon zwischenzeitlich von Braunkohlebaggern angefressen, gibt es immer noch. Und seine Bewohner freuen sich nun aufs große Dorfjubiläum.

Hehlraths anekdotenreiche Geschichte lässt sich in Kürze nachlesen: In einem 350 Seiten starken Buch von Heinz-Theo Frings und Nikolaus Müller, das rechtzeitig zu den Jubiläumsfeiern erscheinen soll: pünktlich vor der Ausstellung „800 Jahre Hehlrath“ in Müllers Traditionsgaststätte „Hexenhaus“. Die sollte ursprünglich am 11. Februar eröffnet werden, wurde inzwischen aber, der Karnevalszeit wegen, auf den 16. März verlegt.

In der einwöchigen Ausstellung geht es vor allem um die Hehlrather Höfe, die Genealogie des Ortes und um die Geschichte der Vereine. Das Buch arbeitet darüber hinaus die gesamte Historie des Ortes auf, indem es neben neuen Aspekten bekannte Ergebnisse sammelt und neu auswertet. Und auf die Ausstellung folgt im Mai eine große 800-Jahr-Feier mit Bühnen- und Musikprogramm, Cafeteria, Messe, Mundartband und Festzug unter Beteiligung der Ortsvereine.

Krönungsstraße mit Linkskurve

Ein „Festzug“ ganz anderer Art ist es, den die Buch-Autoren dem Dunkel der Geschichte entrissen haben. Ein „Festzug“, bei dem ein späterer Papst in Hehlrath die Kurve kratzte: Mitten im historischen Hehlrath lag die entscheidende Linkskurve der Deutschen Krönungsstraße, in der Könige und andere wichtige Persönlichkeiten von Mariaweiler, Langerwehe, Weisweiler und Dürwiß her kommend sich endgültig Richtung Aachen wendeten und über den Hohen Berg durch den Propsteier Wald nach Verlautenheide, Haaren und Aachen wandten. Diese Kurve war so markant und bekannt, dass die Hehlrather sie noch bis Ende des 20. Jahrhunderts „En de Kier“ – in der Kehre – nannten, wo es von der heutigen Velauer Straße (früher: Kirchstraße) in die Oberstraße (Kombacher Straße/Kambachstraße) geht. Die Tagesreise ging meistens auf diesem Weg von Düren nach Aachen.

Kardinal auf Reisen

Umgekehrt reiste 1650 der Nuntius für die Rheinlande Fabio Chigi, der spätere Papst Alexander VII. (1655 – 1667), Kardinal Giovanni Battista Gauli, durch Hehlrath, das er eigens erwähnt, allerdings nur wenige Minuten auf der Durchreise beehrte, denn es war entsetzlich schlechtes Wetter. Er wohnte vom Dezember 1649 bis zum September 1651 in Aachen im Regulierherrenkloster, nachdem er von 1645 bis 1649 in Münster als Mediator für die Friedensverhandlungen des Westfälischen Friedens tätig gewesen war. Nun hatte er den Auftrag bekommen, nach Trier zu reisen.

Kurz nach der Abfahrt in Aachen hat sein Wagen schon in Haaren einen Achsbruch und muss in der „Alten Schmiede“ repariert werden, dann geht es weiter Richtung Hehlrath, wie sein lateinischer Text erzählt, hier wiedergegeben in der Übersetzung von Hermann Krüssel aus seinem Buch „Aachener Reisen – durch die Jahrhunderte mit Pilgern, Königen, Badegästen und anderen Touristen“: „Flink nehmen wir eine Anhöhe. Als des Aachener Reiches Grenze modert ein hölzerner Turm hier, oben hat er eine Glocke aus Bronze: Verlautenheide [„Hupperlutteride“] nennt ihn der Landmann, er weidet auf unfruchtbarem Gebiete. Dann durchqueren wir Wälder und kommen, triefend vom Regen, zu dem Dorf namens Hehlrath [„Herlroti“], zu Feldern, welche bestellt sind, auch nach Weisweiler [„Weisviller“], wo man viel Steinkohle holt aus den Gruben. Dann zogen wir an Häusern von Langerwehe [„Langvel“] vorüber, mit Soldaten aus Schweden gefüllt, vorbei an Merode [„Meroden“], rechts auf dem Hügel emporstrebend, und wir erreichten um die fünfte Stunde dann Düren.“

Auf die Lautung der Namen darf man nicht allzu viel geben, denn sie wurden im Vorbeireisen erfragt. Bemerkenswert ist dagegen die Erwähnung des Steinkohleabbaus in Weisweiler [„multus qua fossilis antris eruitur carbo“].Feierlich eröffnet wird die Ausstellung am 16. März um 15 Uhr.

 

Mit Gerardus de Helrode fing es an

800 Jahre Hehlrath

1219 ist es, dass im Totenbuch des Aachener Marienstifts erwähnt wird, dass der Schöffe Gerardus de Helrode verstorben ist. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung Hehlraths. Es wird noch fast 300 Jahre dauern, bis der Ort seine erste Kapelle erhielt, deren Altar 1506 durch den Kölner Weihbischof Theoderich konsekriert wurde. 1787 wurde das inzwischen baufällige Kirchlein abgerissen. Das Hauptschiff des Nachfolgebaus ist bis heute erhalten.

Nicht erhalten ist der älteste Ortsteil Hehlraths: Als erster Ort musste Velau 1950 dem Braunkohletagebau Zukunft weichen; 300 Menschen verloren ihre Heimat.  Heute hat Hehlrath (laut Statistischem Jahresbericht der Stadt, Stand 31. Dezember 2016) 1260 Einwohner, 653 Männer und 659 Frauen. Eine Zahl, die sich seit Jahren nur marginal steigert.

Bekanntester Sohn Hehlraths ist der 1955 geborene Martin Schulz, ehemals Präsident des Europaparlaments und Vorsitzender der SPE-Fraktion im Europäischen Parlament sowie  SPD-Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat.


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