Eschweiler hat nun eine Bürgermeisterin

Kommunalpolitik

(Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 14.09.2020 von Caroline Niehus, Irmgard Röhseler, Wolfgang Wynands, Andreas Röchter und Sonja Essers)

Nadine Leonhardt erreicht bereits im ersten Wahlgang 50,90 Prozent. SPD erlangt keine absolute Mehrheit im Rat.

Nadine Leonhardt hat es geschafft: Die Kandidatin der SPD ist am Sonntag im ersten Wahlgang zur neuen Bürgermeisterin von Eschweiler gewählt worden. Dabei hat sie die Stichwahl nur knapp abwenden können, am Ende erhielt sie 50,90 Prozent der Stimmen. Damit hat sie hauchdünn die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Hinter ihr lag mit rund einem Drittel der Stimmen ihr parteiloser Mitbewerber Patrick Nowicki (unterstützt von CDU und FDP). Am Ende waren 33,77 Prozent aber zu wenig, um am 27. September noch einmal anzutreten. Auf dem dritten Platz landete Christoph Häfner (parteilos, BASIS) mit 9,29 Prozent der Stimmen. Gebriele Pieta (Bündnis 90/Die Grünen) erreichte 4,21 Prozent. Albert Bochardt (Die Linke) musste sich mit 1,83 Prozent zufrieden geben.

„Ich hätte das nicht gedacht und kann es noch gar nicht fassen. Ich bin überwältigt und dankbar“, sagte Nadine Leonhardt noch sichtlich bewegt kurz nach Bekanntgabe des Ergebnisses kurz vor 22 Uhr. „Ich habe auch keine Rede vorbereitet“, gab die 43-Jährige lachend zu. Doch das konnte ihr egal sein, denn sie hatte sich gegen ihre vier Mitbewerber durchgesetzt – am Ende doch deutlich. „Morgen muss ich das alles erst mal Revue passieren lassen, dann werde ich mit den ersten Vorbereitungen beginnen“, gab sich Leonhardt direkt voller Tatkraft. Die SPD-Kandidatin hatte den Wahlabend in einem eigenen Raum mit ihrer Familie und Freunden im Haus Flatten verbracht, ehe sie vom Parteivorsitzenden Oliver Liebchen unter tosendem Applaus in die Delio Arena geführt wurde, wo ihre Parteigenossen sie minutenlang feierten.

Liebchen freute sich sichtlich für seine Kollegin und lobte sie für ihren Wahlkampf: „Bei fünf Kandidaten den Durchmarsch im ersten Wahlgang zu schaffen, ist schwierig. Umso stolzer bin ich auf Nadine Leonhardt.“ Dass Patrick Nowicki so abgeschlagen sei, sei ein eindeutiges Statement dafür, dass seine Strategie als parteiloser Kandidat mit CDU und FDP im Rücken nicht aufgegangen sei. „Am Ende war Nadine Leonhardt die einzige, die ehrlich mit den Bürgern umgegangen ist“, kommentierte Liebchen.

Keine Feier im Rathaus

In diesem Jahr war alles ein wenig anders. Das lag nicht nur daran, dass Bürgermeister Rudi Bertram nach 21 Jahren im Amt in den Ruhestand wechselt. Der Ratssaal blieb am Sonntagabend aufgrund der Corona-Pandemie leer, und auch in den Fraktionsräumen traf man sich nicht zum gemeinsamen Warten auf die Ergebnisse. Zusammenkünfte der Parteien, die sich diesmal über das gesamte Stadtgebiet verteilt hatten, gab es dennoch – natürlich unter den bestehenden Hygienevorschriften.

Bereits gegen Mittag herrschte vor dem einen oder anderen Wahllokal reger Betrieb. Vor der Villa Faensen an der Marienstraße hatte sich gegen 12 Uhr bereits eine Schlange gebildet. Die rege Beteiligung ließ sich auch an den Zahlen ablesen. Gegen Mittag lag sie bei 33,34 Prozent (Briefwahl und Urnenwähler). Am Ende des Tages lag die Wahlbeteiligung bei 53,12 Prozent.

Und wie war die Stimmung bei den Parteien? Die Stimmung bei der Linken war eher, „ziemlich ernüchtert“, so Bürgermeisterkandidat Albert Borchardt. „Unser Fokus lag natürlich auf der Ratswahl – von 4 Prozent runter auf 2,31 Prozent, das ist natürlich für uns enttäuschend, zumal wir damit den Fraktionsstatus verloren haben und eine wichtige Anlaufstelle, insbesondere für soziale Fragen, im Rathaus für Bürger wegfällt. Es tut mir besonders leid für unser junges, engagiertes Team, das im Wahlkampf, auf der Straße, an unseren Ständen, eigentlich viel Zuspruch erhalten hat. Die Stimmung da war deutlich besser als unser Ergebnis, das empfinde ich jetzt als ein wenig schizophren. Wir gratulieren Nadine Leonhardt zum Bürgermeisteramt – in der bisherigen Ratsarbeit habe ich sie persönlich als ruhig und an der Sache orientiert kennengelernt und hoffe, dass sich das auch auf das neue Amt überträgt.“

Das beste Ergebnis für die Grünen

Eschweilers Grüne haben ihre Sitze von zwei auf vier verdoppelt, prozentual ging es von 4,8 hoch auf 7,96 Prozent. „Das freut uns natürlich sehr“, so Bürgermeisterkandidatin Gabriele Pieta, die mit 4,21 Prozent das bisher beste Ergebnis für die Grünen bei einer Bürgermeisterwahl einfuhr. „Gemessen am Landestrend wäre aber auch noch Luft nach oben gewesen, aber das liegt wohl an speziellen Eschweiler Umständen. Ich bin in erster Linie als Bürgermeisterkandidatin angetreten, um grüne Themen zu vertreten und nach vorne zu bringen. Das ist uns letztendlich auch gelungen, denke ich, und knapp acht Prozent sind immerhin auch unser bestes jemals erzieltes Ergebnis in Eschweiler.“

Nicht genug verloren

Fraktionssprecher Dietmar Widell schaltete schon am Wahlabend auf „praktische Arbeit“ um: „Am Montag ist Fraktionssitzung. Dann werden wir sehen, was wir mit dem Ergebnis anfangen. Beim ersten Anblick des Ergebnisses sage ich: Die SPD hat leider nicht genug verloren…“

Das sah deren Parteivorsitzender selbstverständlich anders. „Wir sind der klare Sieger des Abends“, sagte Oliver Liebchen. Dass die SPD die absolute Mehrheit nicht verteidigen konnte, sei natürlich schade, aber wegen der neuen Konstellation mit BASIS und AfD durchaus erwartbar gewesen.

Die BASIS holte insgesamt 7,10 Prozent. „Es hätte ruhig ein wenig mehr sein können, aber wir sind bei Null gestartet und landen nun bei vier Sitzen. Darauf lässt sich gut aufbauen“, meinte Christoph Häfner.

Eine Niederlage musste die SPD dann doch noch einstecken. Immerhin konnte sie nicht mehr die absolute Mehrheit im Stadtrat einfahren. Die Sozialdemokraten kamen auf 46,14 Prozent und verloren damit knapp fünf Prozent. Die CDU verlor ebenfalls. In diesem Jahr landeten die Christdemokraten bei 27,97 Prozent. 2014 waren es noch 31,06 Prozent. Allerdings konnte sie zwei Direktmandate holen. Marc Müller sicherte sich seinen Wahlbezirk Lyzeum mit 40,59 Prozent. Wilfried Berndt landete in seinem Wahlbezirk Dürwiß IV mit 36,83 Prozent vorne. Dennoch meinte der CDU-Parteivorsitzende Thomas Schlenter: „Das ist ein bitterer Wahlabend für uns. Wir haben einen sehr engagierten Wahlkampf geführt und uns mehr erhofft.“ Patrick Nowicki attestierte er einen „engagierten und mutigen Wahlkampf“. Dass die SPD im Eschweiler Stadtrat nicht mehr die absolute Mehrheit besitze, sei ein „Schritt in die richtige Richtung“, so Schlenter.

Stefan Schulze, Vorsitzender des FDP-Stadtverbandes, bedankte sich vor allem bei seinem Team. „Ich schaue durchaus positiv in die nächsten fünf Jahre. Wir werden unsere Themen weiter verfolgen und schauen, was wir dann davon umsetzen können.“ Am Sonntagabend erreichte seine Partei genau 4,42 Prozent.

Patrick Nowicki zeigte sich gefasst. „Ich gratuliere Nadine Leonhardt und wünsche ihr ein glückliches Händchen bei der Leitung der Verwaltung. Mir ist es zwar nicht gelungen, in die Stichwahl zu kommen. Aber ich habe es geschafft, ein Ergebnis von über 30 Prozent zu erhalten. Damit habe ich ein Ziel erreicht.


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