100 Jahre Spaß am Kampf um den Ball

Gesellschaft

Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 18.09.2019 (Von Andreas Röchter)

Die Sportfreunde Hehlrath feiern ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum. Viele Höhen und Tiefen in dieser langen Zeit erlebt.

100 Jahre mit Siegen und Niederlagen sowie Auf- und Abstiegen. Doch ein Fußballverein wie die Sportfreunde Hehlrath stellt mehr dar als ein 1:0 oder ein 0:1.

Wobei der Begriff Fußballverein gar nicht hundertprozentig korrekt ist, denn in den Anfangsjahren des Vereins spielten die Sportfreunde auch Faustball und Tischtennis, betrieben Leichtathletik, wanderten und veranstalteten Liederabende und Laienspiele (Quelle: Vereinschronik Thomas Lammertz). Männer der ersten Stunde waren unter anderem der 1. Vorsitzende Johann Schumacher sowie Hubert Göbbels, Franz Schumacher, Nikolaus Müller, Heinrich Conzen, Matthias Trautmann, Josef Offermanns, Ferdinand Körner, Wilhelm Eschweiler, Adam Conzen, Matthias Conzen, Peter Kerres, Konrad Conzen, Hubert Jouhsen und Peter Wirtz, die im Gründungsjahr 1919 das Fußballtrikot der Sportfreunde trugen. Es sind Menschen, die eine Vereinigung prägen und zu dem machen, was sie ist. Menschen wie Dietmar Körner (seit 64 Jahren ein Sportfreund), Klaus Müller (Statistiker, Chronist, einst Spielführer und Manager der 2. Mannschaft sowie langjähriger Vereinswirt), Ralf Linzen (mehr als 400 Einsätze als Spieler der 1. Mannschaft) oder Guido Esser (aktueller Vorsitzender, ehemaliger Geschäftsführer, Kassierer), die dem Verein ein Gesicht geben und sich an viele Begebenheiten und Anekdoten auf und nicht zuletzt neben dem Platz erinnern.

Außergewöhnliche Saison

Auch im Vereinsleben liegen Freude und Leid oft eng beieinander. „In der Spielzeit 1964/1965 sind wir mit Pauken und Trompeten in die 1. Kreisklasse aufgestiegen“, blickt Dietmar Körner mit einem lachenden Auge auf eine außergewöhnliche Saison zurück, um mit einem weinenden Auge einer Katastrophe zu Gedenken, die einem Sportfreund das Leben kostete. „Überschattet wurde die Spielzeit vom tödlichen Unfall von Günther Mertens“, so der ehemalige Spieler, der mit neun Jahren erstmals das Trikot der Sportfreunde überstreifte. Übrigens unter vollkommen anderen Voraussetzungen, als dies heute der Fall ist. „Wir haben uns in der Gaststätte Zum Krug gegenüber der Kirche umgezogen und in Schweinetrögen gewaschen. Und der Sportplatz war halb Rasen und Asche mit einem Trampelpfad“, berichtet der inzwischen 73-Jährige.

Apropos Trampelpfad: Ralf Linzen hat noch das Bild vor Augen, als sich Ende der 70er Jahre im Vorfeld eines Derbys gegen den SV St. Jöris eine anschauliche Zuschauermenge aus der Richtung des heutigen Golfplatzes dem neuen Sportfreunde-Sportplatz „Am Maxweiher“ in Kinzweiler näherte. „Damals ging es in den Derbys durchaus zur Sache“, umschreibt der Rekordspieler die zuweilen rustikal ausgetragenen Duelle der Kicker beider gleich alten Nachbarvereine augenzwinkernd. „Heute kennen wir uns besser und sind freundschaftlich verbunden“, erklärt das Quartett unisono.

Vorsitzender Guido Esser verweist in dieser Hinsicht auf die gemeinsame 100-Jahr-Feier, die am kommenden Samstag, 21. September, ab 19 Uhr unter der Überschrift „Zwei Dörfer - eine Leidenschaft! 100 Jahre Fußball in Hehlrath und St. Jöris“ in der Festhalle Kinzweiler stattfinden wird. Womöglich wird Moderator Uli Potofski neben seinem Gespräch mit Simon Rolfes auch auf „unorthodoxe“ Geschehnisse der Sportfreunde-Historie eingehen. So soll angeblich während eines Kreispokalspiels gegen einen hochklassigen Gegner dessen Spieler und späterer Profi Josef „Jupp“ Nehl bereits nach wenigen Minuten Trainer Hans Lipka in Öcher Mundart deutlich aufgefordert haben, ihn vom Feld zu nehmen. Der einleuchtende Grund: Im Angesicht seines Gegenspielers fürchtete Josef Nehl um seine körperliche Unversehrtheit.

Ballfertigkeit gezeigt

Auch die Sportfreunde-Legenden Erich Schramm und Jack Esser dürften an den Tischen Erwähnung finden. Der Erstgenannte zeigte seine Ballfertigkeit einst als Kapitän der Hehlrather Traditionsmannschaft in einer Partie gegen den 1. FC Köln, während der er unmittelbar nach dem Anstoß drei Gegner aussteigen ließ, um mit der anschließenden trockenen Bemerkung „Auswechseln - habe mein Können gezeigt“ seinen Humor unter Beweis zu stellen. Die höchsten fußballerischen Meriten aller Sportfreunde verdiente Jack Esser, der von Hehlrath zu Rhenania Würselen in die 2. Liga West wechselte, nach seiner aktiven Laufbahn auf der Trainerbank Platz nahm, lange Jahre als Trainer des Eschweiler FV fungierte, bevor er als Coach wieder zu den Sportfreunden zurückkehrte, um den Kreis zu schließen.

„Hier kombinierte er seine Fähigkeiten als Trainer und Spieler, als er im 2:1 gewonnen Pokalspiel beim SVS Merkstein, neben dem eigenen Tor stehend, per gekonnter Fußabwehr ein sicheres Tor des Gegners verhinderte“, erinnert sich Sohn Guido Esser schmunzelnd an seinen im Februar 2011 verstorbenen Vater. Akribisch Buch geführt über diese Ereignisse hat Heimatforscher Klaus Müller. Dietmar Körner berichtet über den Sportfreunde-Trainer, der einst seinem Torwart vor einem Spiel versehentlich zwei Schlaftabletten verabreichte (die anschließende Leistung sei entsprechend gewesen), Ralf Linzen versichert, sein erstes Altherrenspiel mit 13 Jahren absolviert zu haben („weil ich zufällig am Platz war“ ) und Guido Esser verweist auf eine Grundsatztradition. „Die Sportfreunde haben es immer verstanden, zu feiern.“ Dies soll am Samstag und in den kommenden Jahren seine Fortsetzung finden.


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