Zwischen Tanzlokal und Lederfabrik

Gesellschaft

Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 11.11.2015 (Von Sonja Essers)

Hans Werner Kroppenberg ist Kinzweiler durch und durch. Heute ist von einst vielen Geschäften im Ort nichts mehr zu sehen.

Bauernhöfe, Lebensmittelgeschäfte, Gaststätten, eine Lederfabrik und eine Ballfabrik. In den 1950er und 60er Jahren reihte sich in Kinzweiler ein Geschäft an das nächste. An diese Zeiten kann sich auch Hans Werner Kroppenberg noch sehr gut erinnern. Der 76-Jährige ist in Kinzweiler geboren, dort zur Schule gegangen und lebt auch heute noch im Nordwesten Eschweilers. Er sagt: „Wir hatten früher alles bei uns im Ort.“ Heute ist das allerdings ganz anders.

Im Rahmen unserer Serie zum Thema Nahversorgung haben wir gemeinsam mit Hans Werner Kroppenberg einen Spaziergang durch sein Kinzweiler unternommen. Geschäfte gibt es in dem rund 1800 Einwohner großen Ort heute allerdings kaum noch. Lediglich ein Getränkemarkt ist an der Kalvarienbergstraße angesiedelt. Kroppenberg glaubt den Grund dafür zu kennen: „Als das mit den Discountern anfing, machten nach und nach alle Geschäfte zu“, erinnert er sich. Seinen Einkauf erledigt der 76-Jährige, wie viele seiner Nachbarn, mittlerweile in Mariadorf. Das sei mit dem Fahrrad gut zu erreichen.

Kaum noch Geschäfte

Ein Spaziergang durch den Ortsteil lässt nur noch erahnen, welche Geschäfte es hier einst gegeben haben muss. Gegenüber von Kroppenbergs Wohnung an der Pannesstraße befand sich einst der Hof von Bauer Zander. Heute ist davon jedoch nichts mehr übrig. Auf dem Gelände wurde ein modernes Bank-Gebäude errichtet. Wann dies gewesen sein muss, weiß Kroppenberg nicht mehr. Der Rentner ist sich jedoch sicher: „Das ist bestimmt schon 15 oder 20 Jahre her.“

Nur wenige Meter weiter bleibt Kroppenberg stehen. An der Ecke zur Kirchstraße befand sich früher ein Friseursalon nur ein Haus weiter feierte man in der Gaststätte Zander. Diese wird heute noch immer – wenn auch unter einem anderen Namen – betrieben. Sie ist jedoch die einzige Gaststätte, die es heute in Kinzweiler noch gibt. „Früher waren das bestimmt fünf Stück“, sagt Kroppenberg.

Eine weitere lag nur wenige Meter entfernt. Der Eingang zum einstigen Tanzlokal Schnur befand sich an der Kirchstraße. In dem einstigen Saal, der zur Gaststätte gehörte und bis zum Mühlenweg reichte, ist heute ein Einfugungsbetrieb angesiedelt.

An den Mühlenweg hat es Kroppenberg und seine Freunde im Kindesalter immer wieder gezogen. Schließlich verlief dort einst der Merzbach. „Wenn es im Sommer Gewitter gab, dann war alles verschlammt. Im Dorf sah es dann einfach nur schlimm aus“, sagt Kroppenberg.

Und wo verbrachten Kroppenberg und seine Freunde im Winter ihre Freizeit? Am Kalvarienberg. Neben der Pfarrkirche St. Blasius wurde bei Schnee gerodelt was das Zeug hielt. Gar nicht so ungefährlich, wie Kroppenberg heute feststellt. Besonders dann nicht, wenn die Schnapsbrennerei an der Kirchstraße beliefert wurde. Einmal seien er und seine Freunde dem Lkw fast unter die Räder gekommen. „Da hat sich der Fahrer ganz schön erschrocken“, sagt der 76-Jährige.

Besonders interessant ist auch das Verhältnis zwischen Kinzweiler und dem benachbarten Hehlrath. Kroppenberg erinnert sich an zahlreiche Begegnungen, die manchmal auch mit einer Prügelei enden konnten. „Eine gewisse Rivalität gab es schon, vor allem, wenn wir auf die Hehlrather Kirmes gingen“, sagt Kroppenberg und fügt lachend hinzu: „Nur in St. Jöris hatten wir nie Probleme.“

Auch in der Kirchstraße florierten damals die Geschäfte. Nicht nur eine Milchfabrik, in der die Kinzweiler Milch und Butter erwerben konnten, sondern auch Lebensmittelgeschäfte, eine Schreinerei, einen Schuster , einen Uhrmacher, eine Hebamme und verschiedene Bauernhöfe waren dort angesiedelt. Rechts neben der Pfarrkirche befand sich außerdem ein Kloster, in dem die Schwestern lebten. „Es gab keine Schwierigkeiten hier im Ort, für jedes Problem war ein Experte hier“, sagt er.

Ganz genau erinnert sich Kroppenberg auch noch an die Bäckerei Bongartz, die ihr Geschäft an der Kirchstraße unterhielt. Nicht nur Brot konnten die Kinzweiler hier erwerben. Zu der Bäckerei gehörte eine Gaststätte, die von den Besuchern „Texas Bar“ genannt wurde. Das Gebäude ist heute nicht mehr zu sehen. Vor etlichen Jahren ist es abgebrannt. An das Jahr erinnert Kroppenberg sich nicht mehr, dafür aber an ein anderes Detail: „Das war an einem Rosenmontag. Während die Feuerwehrmänner den Brand gelöscht haben, haben sie gesungen 'So ein Tag, so wunderschön wie heute'“, sagt der Rentner und lacht.

Geschäfte gab es in Kinzweiler auch an der Kambachstraße. Neben dem heutigen Gerätehaus des Löschzuges, befand sich damals die Volksschule, neben dieser war die Metzgerei Brosius angesiedelt. Lebensmittelgeschäfte gab es an der Kambachstraße genauso wie eine Stellmacherei, Gaststätten, eine Lederfabrik und eine Ballfabrik. „Dort wurden Gummibälle hergestellt“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn welche mal nicht gut waren, haben sie uns die für zehn Pfennig verkauft. Das waren eher Eier als Bälle, aber wir waren froh, dass wir welche hatten.“

Hufschmied und Mühle

Nicht nur eine Ballfabrik gab es in Kinzweiler. Auch ein Hufschmied (Auf den Hufen) und eine Mühle (Obere Mühle) waren dort angesiedelt. Das eine oder andere schöne Fleckchen gebe es im Eschweiler Nordwesten, meint Kroppenberg.

Und welches gefällt dem 76-Jährigen am besten? „Die Anlage an der Von-Trips-Straße.“ Nach seinen Spaziergängen macht er am Ehrenmahl Halt und verweilt dort. Aus Kinzweiler ist er nicht wegzukriegen. Einen Wunsch für die Zukunft hat er trotzdem. Er möchte seine Nachbarn, von denen viele neu hinzugezogen sind, besser kennen lernen. Einen kleinen Erfolg konnte er bereits erzielen: Seinen Nachbarn von gegenüber hat er bereits sein Kinzweiler gezeigt.


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