„Wir verkaufen keine Auskünfte an Adressbuchverlage“

Allgemein

Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 11.07.2012 (ak)

Der Leiter des Bürgerbüros, Rainer Neitzel, schätzt, dass die Stadt „nur“ etwa 40.000 Euro durch Adressanfragen verdient.

Rainer Neitzel sagt klar und deutlich: „Wir haben keine Adressbuchverlage, denen wir etwas verkaufen.“ Der Leiter des Bürgerbüros schätzt, dass rund 40.000 Euro pro Jahr durch Adressanfragen in das Stadtsäckel Eschweilers fließen. Kein Vergleich also etwa zu dem Gewinn von knapp 600.000 Euro, den die Aachener Stadtkasse macht. 100.000 gebührenpflichtige Melderegisteranfragen gibt es nach Schätzungen in der Kaiserstadt. Mit dem neuen Meldegesetz, das sehr weitreichende Möglichkeiten zum Adressverkauf an private Firmen beinhaltet, wird sich für die Stadt Eschweiler kaum etwas ändern.

Von Aachener Zahlen ist Eschweiler ohnehin weit entfernt: 15.000 Anfragen pro Jahr sind es, die das Einwohnermeldeamt erreichen – und zwar erweiterte und einfache Anfragen. Dabei sind die meisten Anfragen ohnehin gebührenfrei. Während Behörden oder andere Kommunen die Auskünfte gebührenfrei erhalten, müssen etwa Inkassounternehmen oder Rechtsanwälte Gebühren zahlen.

Wer eine einfache Auskunft, sprich nur die Adresse möchte, zahlt pro Person 7 Euro. Muss vor Ort erst ermittelt werden, beträgt die Gebühr 25 Euro. Eine erweiterte Auskunft kostet 10 Euro. Als Nachweis eines berechtigten Interesses gelten etwa ein Zahlungsbefehl, ein Vollstreckungsbescheid oder Verträge und Gerichtsurteile. Wer als Privatperson Auskunft erhalten möchte, muss konkrete Angaben machen. „Wir können ja nicht einfach die Adresse eines Hans Müller suchen. Wir brauchen dann noch Angaben wie Geburtsdatum oder eine alte Adresse, um die Suche einzugrenzen“, sagt Neitzel.

Blickt Neitzel auf die neue Gesetzgebung, schlagen in seiner Brust zwei Herzen, wie er sagt. Auf der einen Seite hält er den Datenschutz für ungeheuer wichtig. „Er sollte hochgehalten werden“, sagt der Leiter des Bürgerbüros. Auf der andere Seite ist da die derzeitige Empörung in Deutschland, obwohl doch immer mehr Menschen immerh mehr von sich preisgeben. Ganz freiwillig und mitunter völlig ungeniert, etwa in sozialen Netzwerken wie Facebook. Da wird jedem, der es wissen möchte oder auch nicht, minütlich per neuem Eintrag erzählt, was man sich gerade angeschafft hat oder dass man jetzt die nächsten drei Wochen in Urlaub fährt. Frei nach dem Motto: Ich bin nicht Zuhause, sie können ungestört einbrechen. „Das ist doch eigentlich fast noch viel mehr und persönlicher als die Informationen, die wir preisgeben.“
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Ende des zitierten Artikels

 
 

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