Weniger Freizeit wegen des Turbo-Abis

Kommunalpolitik

Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 15.11.2014 (Von Sonja Essers und Tobias Röber)

Dagmar Hirschter sammelt Unterschriften gegen G 8. Probleme auch für Vereine, da Schüler weniger Zeit fürs Ehrenamt haben.

Dagmar Hirschter hat bereits mehr als 700 Unterschriften gesammelt und viele weitere sollen dazu kommen. Die Mutter eines Siebtklässlers ist bekennende Gegnerin des Abiturs nach acht Jahren, besser bekannt als G 8. Sie unterstützt damit die Initiativen „G 9 jetzt“ und „G-ib-8“, die eine Rückkehr zu G 9 befürworten. Rund 66 000 Unterschriften müssen in ganz NRW zusammenkommen, damit sich der Landtag damit auseinandersetzen muss. Dagmar Hirschter ist bei diesem umstrittenen Thema längst keine Einzelkämpferin.

Die Indestädterin hat die Diskussionen um G 8 und G 9 von Anfang an verfolgt. Sie habe mitbekommen, wie sich der Unterricht der Tochter einer Bekannten verändert habe. Mehr Stunden, weniger Freizeit, um zwei Nachteile zu nennen. „Ich finde das nicht gut“, sagt sie. Inzwischen besucht ihr Sohn die 7. Klasse der Bischöflichen Liebfrauenschule. Der Alltag sei oft stressig – für ihren Sohn, aber auf Grund der höheren Belastung in der Schule auch für sie selbst. „Am Wochenende muss immer etwas getan werden und auch in den Ferien“, sagt die Mutter und ergänzt: „Mein Sohn hat kaum Luft zu verschnaufen.“

Kritik am Turbo-Abi

Auf der Internetseite der Initiative „G 9 jetzt“ steht: „Wir fordern, dass Eltern und Kindern die Wahlfreiheit gegeben wird, an einem Gymnasium in ihrer Nähe das Abi-tur nach Klasse 13 mit höchstens 30 Wochenstunden von Klasse 5 bis 10 zu erreichen.“ Realität wird das wohl so schnell nicht.

Weil die Kritik am Turbo-Abi nicht abgerissen ist, hatte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann am 5. Mai dieses Jahres zu einem sogenannten runden Tisch eingeladen. Vertreten sind dort Lehrer- und Elternverbände, Schulleitervereinigungen, Landesschülervertretungen, kommunale Spitzenverbände, die Kirchen, die bildungspolitischen Sprecher der im NRW-Landtag vertretenen Parteien, Wissenschaftler und Vertreter der beiden Bürgerinitiativen „G-ib-8“ und „G 9 jetzt“.

Alternativen zu Klausuren?

Ergebnisse gab es jetzt, als der runde Tisch zum (vorerst) letzten Mal tagte. Die Teilnehmer sprachen sich für eine „verbindliche Weiterentwicklung“ des achtjährigen Abiturs aus. Die Mehrheit der Experten verwarf dabei unterschiedlichste Modelle, die Schulstruktur erneut zu verändern – darunter auch ein Parallelsystem von G 8 und G 9 innerhalb eines Gymnasiums. Dagegen sprechen aus ihrer Sicht vor allem der große organisatorische Aufwand und die neuerliche Unruhe, die dadurch an den Schulen entstehen würde. Stattdessen sollen die Schüler durch klarere Regelungen für Hausaufgaben, Lernzeiten und Klassenarbeiten entlastet werden. An Tagen mit verpflichtendem Nachmittagsunterricht sollten Lehrer keine Hausaufgaben für den Folgetag geben dürfen. Löhrmann will zudem Alternativen zu Klausuren prüfen. So könnte eine Klassenarbeit pro Schuljahr durch eine Hausarbeit oder einen Vortrag ersetzt werden. Ende 2010 hatte Schulministerin Löhrmann schon einmal Vertreter von Lehrer-, Eltern- und Schülerverbänden sowie Schulleitungen zu einem „Runden Tisch“ zur Schulzeitverkürzung eingeladen. Im Anschluss wurde dem Landtag ein Handlungskatalog mit Entlastungsmöglichkeiten bei G 8 vorgestellt. Im Rahmen eines Versuchs konnten Gymnasien damals wieder von acht auf neun Jahre umsteigen. Für diese Möglichkeit interessierten sich zwölf Gymnasien.

Dagmar Hirschter hält von den neuen Ergebnissen des Runden Tisches genauso viel, wie die Macher der erwähnten Pro-G8-Initiativen: Nichts.

Die beiden Schulleiter der Eschweiler Gymnasien wollten sich zu dem Thema nicht weiter äußern. Man solle die Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches erst einmal abwarten. Generell könne man nicht sagen, ob G 8 den Schülern helfe oder schade, sagen sowohl Winfried Grunewald (Städtisches Gymnasium) als auch Bert Schopen.

Probleme für Vereine

Letzteres sieht auch der Vorsitzende des Schulausschusses Dietmar Schultheis so. Es gebe verschiedene Lerntypen, jedoch sei es schwierig zu sehen, wer zu welcher Gruppe gehöre. Schultheis bringt einen weiteren Aspekt ins Spiel: „Unabhängig vom Lerntyp sehe ich systembedingte Entwicklungshemmnisse in der Sozialisation der Schüler: Die kulturelle, sportliche und politische Teilhabe der Schüler an den kulturtreibenden Vereinen, den Sportvereinen, den Schülermitwirkungsgremien oder den politischen Jugendorganisationen wird erschwert. Es fehlt einfach oftmals die Zeit, sich am späten Nachmittag oder am frühen Abend hier noch zu engagieren.“

Stephanie Berretz ist Schulpflegschaftsvorsitzende an der Liebfrauenschule und bestätigt das: „Die Vereine leiden unter G 8, weil die Schüler nicht mehr die Zeit haben, sich derartig am Vereinsleben zu beteiligen, wie es nötig oder erwünscht wäre. Die eigene Aktivität wird so gerade noch wahrgenommen, aber es fehlt halt oft an ehrenamtlichen Betreuern aus der eigenen Vereinsjugend.“ Ihrer Meinung nach schadet G 8 den Schülern mehr, als dass es ihnen nutzt.

Schülerin Jana Steuer bestätigt die fehlende Freizeit: „Ich habe fast jeden Tag bis 16 Uhr Schule und schreibe jede Woche mindestens eine Klausur. Mit Freizeit ist da nicht mehr viel“, sagt die 17-Jährige, die die zwölfte Jahrgangsstufe der Bischöflichen Liebfrauenschule besucht. Zeit für ihr liebstes Hobby, das Reiten, findet sie kaum noch. „Ich schaffe das einfach nicht mehr so wie vorher“, sagt sie.

Doch nicht nur bei den Schülern herrscht Unmut. Auch den Lehrern sei der Stress deutlich anzumerken, meint Mitschülerin Senta-Lina Körfer. Der Unterrichtsstoff werde sehr schnell durchgenommen. Für Fragen bleibe da meist wenig Zeit. Wenn man nicht mitkomme, dann müsse man es sich irgendwie selbst beibringen, sind sich die Schülerinnen sicher. Dietmar Schultheis dazu: „Außer Frage steht eine Verbesserung der Übungs- und Vertiefungsphasen in der Mittelstufe des Gymnasiums. Hier wird noch zu sehr im Schweinsgalopp Wissen eingetrichtert, ohne umfassende Bildung im besten Sinne zu erreichen.“ Auf die Frage, ob sie sich G 9 zurückwünscht, antwortet Schülerin Jana Steuer: „Wir wissen ja gar nicht wie das ist, wenn man neun Schuljahre hat. In fünf Monaten sind wir sowieso fertig und die kriegen wir auch noch irgendwie rum.“

Eine Rückkehr zu G 9 sehen sowohl Dietmar Schultheis als auch Stephanie Berretz problematisch. Sie setzen auf Veränderungen bei G 8. Stephanie Berretz: „Trotz aller Gegenargumente zu G 8 wäre eine generelle Rückkehr zu G 9 sicherlich nicht die optimalste Lösung. Es wurde alles auf G 8 umgestellt: Mensen wurden gebaut, neue Schulbücher entwickelt und angeschafft, alte entsorgt. Allein der Kostenfaktor bei einer Rückkehr zu G 9 wäre enorm. Außerdem gibt es zum G 8 Abschluss am Gymnasium ja immer noch die Möglichkeit, an den Gesamtschulen nach neun Jahren das Abitur zu erlangen.“

Ob Dagmar Hirschter und ihre Mitstreiter Erfolg haben, darf bezweifelt werden. „Ich will aber sagen können, dass ich es wenigstens versucht habe“, sagt sie.

Dagmar Hirschter sammelt weiter

Wer die Initiative unterstützen will, kann sich bei Dagmar Hirschter unter ☏ 24365 melden. Die Initiative ist im Internet unter www.g9-jetzt-nrw und www.g-ib-8.de. erreichbar. Unterschriftenlisten liegen auch in der Barbara-Apotheke in Dürwiß aus.

„Ich habe fast jeden Tag bis 16 Uhr Schule und schreibe jede Woche mindestens eine Klausur. Mit Freizeit ist da nicht mehr viel.
Jana Steuer, Schülerin


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