Nach der Schule geht’s zur Arbeit aufs Feld

Gesellschaft

Wir zitieren die Eschweiler Nachrichten / Zeitung vom 13.11.2015 (Von Sonja Essers)

Hoher Besuch an der Kinzweiler Grundschule: Leiter des Projekts Vozama in Madagaskar beantworten Kindern und Lehrern Fragen.

Gespannt lauschen die Kinder den Worten von Xavier Miehel Randrianirina und Taratra Rakotomamonjy. Ihre Aussprache klingt fremd, und dennoch ist es im Musikraum der Katholischen Grundschule (KGS) Kinzweiler an diesem Morgen mucksmäuschenstill, als Randrianirina ein Lied in seiner Muttersprache anstimmt. Fasziniert versuchen die Kleinen die Worte nachzusprechen. Nach wenigen Minuten singt man gemeinsam. Auch die Worte „Salama“ und „Veluma“, die übersetzt „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ bedeuten, klappen bereits wunderbar.

Xavier Miehel Randrianirina und Taratra Rakotomamonjy stammen aus Madagaskar. Einen rund zehnstündigen Flug haben sie und Frère Claude Fritz hinter sich gebracht, um in die Indestadt zu kommen. Was sie dort wollen? Danke sagen!

Partnerschaft seit einem Jahr

Seit rund einem Jahr unterstützt die KGS Kinzweiler um ihren Schulleiter Gerd Schnitzler die Misereor-Partnerschaft „Vozama – Ein Dorf macht Schule“. Erfahrung mit Partnerschulen konnte die KGS reichlich sammeln. Seit 1995 gehören Schulpartnerschaften zum Profil der Schule dazu. Schnitzler nahm im vergangenen Jahr Kontakt zu Johannes Schaaf auf, der bei Misereor für Projekte in Afrika zuständig ist. Er machte den Eschweiler Schulleiter auf das Projekt „Vozama“ in Madagaskar aufmerksam. Der Begriff Vozama ist eine Abkürzung für „Venjo ny zaza Malgazy“ und bedeutet übersetzt: „Retten wir die kleinen Kinder Madagaskars“. Gegründet wurde das Projekt 1995 vom elsässischen Pater André Bolz.

Geleitet wird es mittlerweile von Frère Claude Fritz. Er lebt bereits seit 50 Jahren in Madagaskar und weiß: „Wir sind ein sehr armes Land.“ Besonders betroffen von dieser Armut sind die kleinsten Einwohner. Durch die Misswirtschaft von Diktator Ratsirakja wurde das Land zu Sparmaßnahmen gezwungen. Rund die Hälfte aller Schule musste schließen. Die Folge: Viele Kinder mussten einen Schulweg von mehr als zehn Kilometer zurücklegen.

Das hat sich mittlerweile allerdings geändert. „Wir haben 700 kleine Schulen mit 10 000 Kindern“, erklärt Frère Claude Fritz den Kindern. Zwischen 15 und 20 Kinder sind in einer Klasse untergebracht. „Die Schule bringt viel Gutes für Madagaskar“, sagt Frère Claude Fritz und fügt hinzu: „Bei uns muss nicht nur jedes Kind lesen und schreiben lernen, sondern auch einen Baum pflanzen.“

Das Ergebnis der Baumschule, die dank des Projekts angelegt werden konnte, kann sich sehen lassen. Wurden im Jahr 2005 gerade einmal 5000 neue Bäume gepflanzt, waren es 2013 bereits zehn Mal so viele. Die aktuelle Zahl liege bei rund 100 000 Exemplaren, sagt Frère Claude Fritz. Die Erst- und Zweitklässler werden an vier Tagen in der Woche jeweils drei Stunden unterrichtet. Die 700 Lehrer, die das Projekt begleiten, stammen meist aus dem jeweiligen Dorf selbst. Nach der Schule geht es für die Kleinen jedoch nicht zum Sport- oder Musikunterricht. Zeit für Hobbys haben die Kinder in Madagaskar nicht. Am Nachmittag helfen sie ihren Eltern bei der Arbeit, meist auf dem Feld.

20 Jahre Unterstützung

Doch nicht nur die Kinder sollen von dem Projekt, das seit 20 Jahren von Misereor unterstützt wird, profitieren, sondern auch ihre Eltern. Schließlich sollen Letztere sich so gut wie möglich mit einbringen. Es wurden Elterninitiativen gegründet, die sich unter anderem mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigen. Mittlerweile wird neben Reis sogar Obst und Gemüse angebaut. Außerdem finden jede Woche Elternversammlungen statt.

Nachdem die Fragen von Kindern und Kollegen ausführlich beantwortet wurden, machten sich die Besucher wieder auf den Weg. Dieser führt sie zunächst nach Frankreich und in die Schweiz, bevor es am 19. November wieder zurück nach Madagaskar geht.

Auch im zweiten Halbjahr des Schuljahres soll Madagaskar die Kinzweiler Schüler beschäftigen. So will Schulleiter Gerd Schnitzler im kommenden Jahr einen Projekttag anbieten, damit die Kinder noch mehr über die Partnerschaft lernen.


Ende des zitierten Artikels

 
 

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